Konjunkturbericht

Konjunkturbericht

Autor:in

Pablo Duarte

Veröffentlichungsdatum

1. September 2026

Konjunkturbericht
Pablo Duarte
September 2026

Makroausblick in Kürze

Global: Unsicherheit belastet das Wachstum

Die Ungewissheit über den Iran-Krieg treibt die Energiepreise weiter nach oben und dürfte das Wachstum belasten.

USA: Arbeitsmarkt bleibt solide

Überraschend starke Beschäftigungszahlen und ein stabiler Konsum stützen das positive Momentum.

Euroraum: Erholung von Deutschland getragen

Die Geschäftslage erholt sich vor allem dank Deutschland, während Frankreich schwach bleibt.

China: Regierung stützt eine schwache Binnenwirtschaft

Eine expansive Geld- und Fiskalpolitik stabilisiert die Konjunktur, doch die schwache Binnennachfrage und geopolitische Risiken bremsen.

Erwacht die Eurozone?

REALWIRTSCHAFT

Wachstum

USA und Eurozone: Erholung der Geschäftslage

Im August setzte sich die Erholung der Geschäftslage in den USA und der Eurozone fort. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) blieb in der Eurozone expansiv bei 52,0 und stieg in den USA nochmal kräftig auf 56,0. In China blieb das Bild gespalten: Der offizielle NBS-PMI lag mit 49,5 weiterhin leicht unter der Expansionsschwelle, während der private auf Exportunternehmen fokussierte RatingDog-PMI auf 52,1 stieg.

… insbesondere des Dienstleistungssektors

In den USA gewann der Dienstleistungssektor nochmals deutlich an Dynamik. Der PMI stieg auf 56,5. Die Geschäftslage im Dienstleistungssektor der Eurozone hielt sich im August mit einem PMI von 51,6 im expansiven Bereich. Das verarbeitende Gewerbe legte sogar weiter zu und erreichte 52,7.

USA: Robuste Auftragseingänge stützen Wachstumsausblick

Die Auftragseingänge signalisieren ein weiterhin positives Momentum für die US-Wirtschaft. Im August stiegen die Auftragseingänge im Dienstleistungssektor erneut stark an. Auch im Verarbeitenden Gewerbe blieben die Neuaufträge mit 53,7 Punkten solide im expansiven Bereich oberhalb der 50-Punkte-Schwelle.

US-Wachstum: von KI-Investitionen getrieben?

Im zweiten Quartal 2026 wuchs das US-BIP um 2,11 % gegenüber dem Vorjahr. Der private Konsum war mit 1,53 Prozentpunkten der wichtigste Wachstumstreiber. Investitionen in Hardware und Software, darunter ein Großteil der KI-Infrastruktur, trugen 0,7 Prozentpunkte bei. Da viele Hardwarekomponenten importiert werden, dürfte ihr Wachstumsbeitrag deutlich geringer sein. Ob KI-Investitionen das Wachstum tatsächlich treiben, bleibt fraglich. Hier eine ausführliche Einordnung.

Deutschland erholt sich

In Deutschland und Frankreich entwickelte sich die Geschäftslage im August unterschiedlich. In Deutschland stieg der Composite-PMI auf 51,8. Treiber war vor allem die Industrie, deren PMI auf 54,3 dank hoher Neuaufträge zulegte, während die Dienstleistungen mit 49,7 knapp unter der Expansionsschwelle blieben. Die Neuaufträge kommen aus der Rüstungs- und der KI-Industrie. In Frankreich trübte sich die Lage dagegen wieder ein. Der Composite-PMI fiel auf 48,5, insbesondere wegen der schwächeren Geschäftslage bei den Dienstleistungen (48,0).

Spanien und Italien: Geschäftslage bleibt expansiv

In Spanien und Italien blieb die Geschäftslage im August expansiv. In Spanien blieb der Composite-PMI mit 55,8 Punkten auf hohem Niveau, gestützt von der sehr soliden Geschäftslage im Dienstleistungssektor (57,8), während sich die Lage im Verarbeitenden Gewerbe mit 49,5 Punkten leicht eintrübte. In Italien verbesserte sich die Geschäftslage insgesamt auf 53,6 Punkte. Treiber war auch hier die gute Geschäftslage im Dienstleistungssektor (55,2), wohingegen die Industrie mit 49,6 Punkten knapp unter der Expansionsschwelle notierte.

China: schwache Binnenwirtschaft

Die Einkaufsmanagerindizes für August 2026 unterstreichen die anhaltende Schwäche der chinesischen Binnenwirtschaft. Der offizielle NBS-PMI verharrte sowohl in der Industrie (49,8) als auch im Dienstleistungssektor (49,3) im kontraktiven Bereich. Der private RatingDog-PMI erholte sich dagegen leicht auf 51,5 in der Industrie und 51,4 bei den Dienstleistungen.

Die Bauaktivitäten erholen sich nicht

Die Zahl der begonnenen Neubauten blieb auch im Juli extrem schwach und verharrt seit 2022 weit unter dem Niveau von 2010. Dies spiegelt sich auch in der Zahl der unfertigen und fertiggestellten Immobilien wider, die weiterhin keine Trendwende erkennen lassen.

Finanzierungsbedingungen

US-Banken: leichte Lockerung der Kreditstandards?

Die SLOOS-Umfrage vom Juli 2026 zeigt, dass etwas mehr Banken in den USA ihre Kreditstandards sowohl für Unternehmen als auch für Haushalte gelockert als verschärft haben (negativer Wert). Die Mehrheit der befragten Banken hat über eine stärkere Kreditnachfrage in den letzten drei Monaten berichtet (positiver Wert), wobei die Nachfrage bei den Haushalten nachlässt.

Restriktive Kreditbedingungen in der Eurozone

Laut dem Bank Lending Survey (BLS) der EZB für das zweite Quartal 2026 dürften die Kreditbedingungen in der Eurozone in den kommenden drei Monaten sowohl für Unternehmen als auch für Haushalte restriktiver werden (positiver Wert). Die Nettokreditnachfrage soll laut den Befragten für Wohnimmobilien und für Konsumzwecke zurückgehen, für Investitionen der Unternehmen aber leicht steigen.

Schwacher Kreditimpuls

Der Kreditimpuls (die Veränderung des Kreditflusses zum privaten Sektor in Prozentpunkten des BIP) ist ein guter Frühindikator für die private Nachfrage. Zuletzt war er sowohl in den USA als auch im Euroraum zwar leicht positiv, verlor jedoch an Dynamik. Da insbesondere in der Eurozone die Zahl der Banken mit steigender Kreditvergabe und -nachfrage deutlich sinkt, deutet dies auf einen baldigen negativen Kreditimpuls hin.

Privater Konsum

USA: Die Einzelhandelsverkäufe steigen weiter

Die Einzelhandelsumsätze wachsen in den USA weiterhin solide. Der wöchentliche Johnson Redbook Index beschleunigte sich bis Ende August auf 8,6 % gegenüber dem Vorjahr, was auf einen weiterhin robusten nominalen Konsum der US-Haushalte hinweist.

USA: Kreditkartenschulden steigen weiter

Die Kreditkartenschulden wuchsen in den letzten Wochen ähnlich wie im Durchschnitt seit 2012. Die monatliche Veränderung lag zuletzt im üblichen Saisonmuster der gleichen Kalenderwochen früherer Jahre.

USA: Google-Suchen deuten auf einen vorsichtigeren Konsum hin

Oft beginnt Konsum mit einer Internetsuche. Daher eignen sich Online-Suchdaten gut als Vorlaufindikator für den privaten Konsum. Die Suchintensität nach dem Begriff „Restaurant“ lag in den USA in den vergangenen Wochen etwas unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre, nachdem sie zuvor höher gewesen war. Begriffe aus der Kategorie „Reise“ werden seit zwei Wochen weniger gesucht als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre.

USA: Die US-Sparquote bleibt niedrig

Die Sparquote der US-Haushalte lag zwischen 2000 und 2019 im Durchschnitt bei 5,2 %. Im Juli 2026 erholte sich die Sparquote leicht auf 3,0 % (nach 2,6 % im Juni), verharrt damit jedoch weiterhin deutlich unter dem historischen Durchschnitt.

Nur die Stimmung der Republikaner bleibt optimistisch

Die Konsumentenstimmung der Amerikaner bleibt im Durchschnitt pessimistisch. Der Consumer Confidence Index des Conference Board liegt auf dem Niveau der Coronakrise. Der Consumer Sentiment Index der Universität Michigan verharrt auf Werten, wie sie sonst nur in Rezessionen vorkommen. Wie üblich, sind Anhänger der Oppositionspartei deutlich pessimistischer. Die Republikaner bleiben dagegen optimistisch, jedoch weniger als vor dem Beginn des Iran-Krieges.

Eurozone & Deutschland: Sparquote der Haushalte bleibt stabil

Die Sparquote der Haushalte bleibt in Deutschland stabil bei 10,1 %, deutlich höher als in den USA (3 %). Historisch liegt die deutsche Sparquote auch höher als in der Eurozone. Während der Coronakrise stieg sie auf fast 20 %.

Konsumzurückhaltung in Frankreich und Deutschland

Die Google-Suchen nach „Restaurant“ in Deutschland und Frankreich deuten auf eine schwache und sinkende private Nachfrage hin. In beiden Ländern lag die Suchintensität in den letzten Wochen niedriger als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre zur selben Jahreszeit.

Weniger Vorsicht in Spanien als in Italien

Während in Spanien die Suchintensität nach „Restaurant“ so hoch wie im Durchschnitt der letzten Jahre blieb, war sie in Italien etwas niedriger.

China: Die Stimmung bleibt pessimistisch

In China hat sich das Konsumklima seit Anfang 2025 leicht verbessert, bleibt jedoch historisch niedrig. Auch die Stimmung im Immobiliensektor ist gedrückt. Der „National Real Estate Climate Index“ sinkt im Trend seit drei Jahren.

Arbeitsmarkt

Langsamer Anstieg der Nominallöhne

Im August stiegen die durchschnittlichen Stundenlöhne in den USA um 3,1 % gegenüber dem Vorjahr, ungefähr so schnell wie im Vormonat. Im ersten Quartal 2026 betrug das Lohnwachstum 4 % in Deutschland und 1,6 % in Frankreich.

USA: Normalisierung des Lohnwachstums?

Das Lohnwachstum nach dem Wage Tracker von Indeed Hiring Lab läuft dem US-Lohnmedianwachstum etwa acht Monate voraus. Im Juli lag das Wachstum der ausgeschriebenen Löhne stabil bei 2,5 %, während der tatsächliche Lohnanstieg im August bei 4,1 % lag, was auf eine anhaltende Normalisierung hindeutet.

USA: Annäherung des Lohnwachstums über alle Einkommensgruppen

Im Juli stiegen die Stundenlöhne in den USA im Durchschnitt unverändert um 3,8 %. Die Lohnzuwächse über alle vier Lohnquartile haben sich weiter angeglichen: Im niedrigsten Lohnquartil stiegen die Löhne um 3,7 %, im höchsten Quartil um 3,8 %.

Der US-Arbeitsmarkt ist weniger angespannt

Die Beveridge-Kurve stellt die Beziehung zwischen der Vakanzquote – die offenen Stellen als Anteil an der Summe aus besetzten und offenen Stellen – und der Arbeitslosenquote dar. Mit der Coronakrise ging die Kurve nach außen, weil aufgrund der Politikmaßnahmen trotz vieler freier Stellen die Arbeitslosigkeit hoch blieb. Die Rigiditäten haben sich wieder abgebaut und die Beveridge-Kurve ist auf das Niveau vor der Coronakrise zurückgekehrt. Die Lage am US-Arbeitsmarkt hat sich also normalisiert.

US-Stellenwachstum bleibt stabil

Im August stieg die Zahl der Stellen im privaten Sektor ohne Landwirtschaft laut ADP-Bericht gegenüber dem Vorjahr um 0,6 %. Die offiziellen Zahlen wiesen ein jährliches Wachstum von 0,6 % aus (nach 0,5 % im Vormonat), deutlich mehr als erwartet. Der US-Arbeitsmarkt bleibt stabil, doch das Stellenwachstum verläuft inzwischen langsamer als in den Jahren zwischen Finanz- und Coronakrise.

USA: Entlassungen und Erstanträge niedrig

Im August zogen die angekündigten Stellenstreichungen laut Challenger wieder auf rund 52.900 an (nach 33.400 im Juli). Gleichzeitig verharrten die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe Ende August mit rund 206.000 weiterhin auf einem niedrigen Niveau.

Die Nominallöhne steigen in Deutschland schneller

Der Wage Tracker von Indeed Hiring Lab zeigt eine spürbare Beschleunigung des Nominallohnanstiegs im Juli. In der Eurozone stieg die Zuwachsrate auf 3,0 %, in Deutschland sogar auf 3,3 %. In Frankreich zog das Lohnwachstum auf 1,7 % an, während es in den USA stabil bei 2,5 % lag.

Eurozone: angespannter Arbeitsmarkt

Die Beveridge-Kurve, die die Beziehung zwischen Vakanzquote und Arbeitslosenquote darstellt, weist auf einen angespannten Arbeitsmarkt in der Eurozone hin. Während der Coronakrise verschob sich die Kurve nach außen, da politische Maßnahmen dazu führten, dass die Arbeitslosigkeit trotz vieler offener Stellen hoch blieb. Inzwischen haben sich diese Rigiditäten weitgehend abgebaut und die Arbeitslosigkeit liegt auf historisch niedrigem Niveau. Die Vakanzquote ist zwar zurückgegangen, entspricht jedoch wieder dem üblichen Verhältnis zwischen beiden Variablen.

China: Sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit

Die Arbeitslosenquote Chinas bewegte sich in den letzten Jahren bei rund 5 % seitwärts und stieg im Juli leicht auf 5,2 %. Die Jugendarbeitslosigkeit, definiert als die Arbeitslosenquote unter den 16- bis 24-Jährigen, erreichte Mitte 2023 21,3 %. Nach einer Veröffentlichungspause von sechs Monaten gibt es eine neue Statistik „ohne Studenten“. Nach vorherigem Rückgang stieg diese im Juli wieder auf 17,9 % an.

PREISE

Rohstoffe

Seefrachtkosten steigen weiter

Die Frachtraten für Rohöltanker sind infolge der Blockade der Straße von Hormus auf neue Rekordstände gestiegen. Nach einem kurzzeitigen Rückgang stiegen sie wieder an und liegen über dem Höchstniveau von 2022 nach Beginn des Ukrainekriegs. Der World Container Index (WCI), der die Frachtraten im Warenhandel abbildet, blieb aufgrund anhaltender Überkapazitäten im Containerschiffbau zunächst auf niedrigem Niveau, ist in den vergangenen Wochen jedoch aufgrund hoher Kraftstoffkosten und geopolitischer Unsicherheiten auf den Seewegen stark gestiegen.

Backwardation: wieder sinkende Ölpreise erwartet

Nach einer kurzzeitigen Stabilisierung der Ölpreise ist die Differenz zwischen den Terminpreisen für Öllieferungen in drei Monaten und in einem Jahr wegen der anhaltenden Unsicherheit über die Blockade der Straße von Hormus erneut gestiegen. Diese „Backwardation“ signalisiert, dass die aktuelle Knappheit als vorübergehend angesehen wird. Die Preise der Futures mit Lieferung in einem Jahr sind in den letzten Tagen erneut gestiegen.

Wann normalisiert sich der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus?

Eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus ist entscheidend für das Ölangebot. Nach erneuten Angriffen preisen die Prognosemärkte eine Öffnung bis Ende September nur noch mit rund 2 % Wahrscheinlichkeit ein. Für Ende Oktober liegt die Wahrscheinlichkeit bei 8 %, für Ende November bei 12 % und für Ende Dezember bei 20 %.

Volatile europäische Gaspreise

Europa bleibt stark von Öl- und Gasimporten abhängig. Nach einer zwischenzeitlichen Seitwärtsbewegung zogen die niederländischen TTF-Erdgas-Futures mit einmonatiger Laufzeit zuletzt wieder an und liegen fast 150 % über dem Niveau vor Beginn des Iran-Kriegs. In der Energiekrise 2022 hatten sich die europäischen Gaspreise zeitweise verdreifacht.

USA

USA: Inflationsrate bleibt hoch

Im August stiegen in den USA die Konsumentenpreise weiterhin spürbar an. Der Verbraucherpreisindex (CPI) erhöhte sich wie erwartet um 3,4 % im Vergleich zum Vorjahr. Die Kerninflation lag bei 2,4 %, gleich den Medianerwartungen der Teilnehmer einer monatlichen Bloomberg-Umfrage.

Indizes zeigen hohe Inflation

Die Inflation wird anhand verschiedener Indizes gemessen: Der CPI erfasst Verbraucherpreise, der PCE-Index die Konsumausgaben der Haushalte und der BIP-Deflator die Preise aller im Inland produzierten Güter und Dienstleistungen. Die Teuerungsraten aller drei Indikatoren erreichten Mitte 2022 ihren Höhepunkt. Im Juli 2026 lag die Inflationsrate des von der Fed bevorzugten Kern-PCE-Index (ohne Energie und Lebensmittel) bei 3,3 %. Der neue Fed-Präsident Kevin Warsh bevorzugt hingegen die Trimmed-Mean-Inflation, bei der die stärksten Preissteigerungen und -rückgänge ausgeklammert werden. Nach diesem Maß lag die Inflation im Juli zwischen 2,3 % und 2,6 %.

Inflationstreiber: Dienstleistungen und Energie

Die Teuerung bei Dienstleistungen ist weiterhin der dominante Treiber der US-Inflation. Während der Beitrag der Lebensmittelpreise moderat positiv bleibt, schlägt der jüngste Ölpreisschock nun voll durch: Der Inflationsbeitrag der Energiepreise ist so hoch wie seit 2022 nicht mehr und treibt die Gesamtrate wieder spürbar nach oben.

USA: Steigender Inflationsdruck

Im August stiegen die Dienstleistungspreise gegenüber dem Vorjahr um 3,1 %. Die Lebensmittelpreise zogen mit einer jährlichen Veränderungsrate von 2,1 % an. Besonders stark legten die Energiepreise zu, mit einem Anstieg von 16,0 % gegenüber dem Vorjahr.

USA: Supercore-Inflation steigt weniger stark an

Supercore wird als der Dienstleistungspreisindex ohne Energie- und Wohnkosten definiert. Auf der Grundlage des CPI-Index lag die Jahresrate der Supercore-Inflation im August bei rund 3,0 %. Gemessen am PCE-Index stieg die Supercore-Inflation im Juli auf knapp 3,9 %. Dies zeigt, dass der Inflationsdruck im Dienstleistungssektor auch ohne Wohnkosten weiterhin hoch bleibt.

Mietpreiswachstum fällt nicht mehr

Mietkosten machen einen großen Teil der Dienstleistungspreise im CPI aus und sind zudem stark mit den Kosten für eigengenutztes Wohnen korreliert. Während der Corona-Jahre war der Zillow-Mietindex für Neuvermietungen ein guter Frühindikator für die Mietentwicklung, da Bestandsmieten träger reagieren. Aktuell signalisiert der Zillow-Mietindex mit rund 2,4 % ein langsameres Mietwachstum als der CPI-Mietindex mit etwa 2,8 %.

USA: Inflation könnte weiter steigen

Der Preisindex im ISM-Dienstleistungs-PMI läuft der Verbraucherpreisinflation etwa sechs Monate voraus. Im August stieg der ISM-Preisindex erneut, was auf einen erhöhten Inflationsdruck hinweist.

Eurozone

Steigende Inflation in der Eurozone

Im August blieb der HVPI in der Eurozone weiter über die 2%-Zielmarke. Im Jahresvergleich stieg der HVPI um 3,3 %, die Kerninflation lag bei 2,4 %. In Deutschland (2,9 %), Frankreich (2,7 %), Italien (3,2 %) und Spanien (4,5 %) stiegen die Preise erneut schneller an.

Der Inflationsdruck steigt

Bis Ende 2022 trugen vor allem Energie- und Lebensmittelpreise zur Inflation bei. Derzeit wird die Teuerung überwiegend von steigenden Dienstleistungs- und Energiepreisen getrieben, in geringerem Maß auch von Lebensmitteln.

Inflationserwartungen

Volatile Inflationserwartungen der Konsumenten

Im August 2026 lagen die Inflationserwartungen der US-Konsumenten für die nächsten zwölf Monate bei 4,0 % (Universität Michigan) und 3,6 % (New York Fed). In der Eurozone erwarteten die Haushalte im Juli laut EZB im Median 2,9 % für das kommende Jahr und 2,7 % für die nächsten drei Jahre.

Energie wird wieder teurer …

Lebensmittel- und Energiepreise werden ausgeblendet, um die grundlegende Inflationsentwicklung zu analysieren. Für die Wahrnehmung der Kaufkraft und das Wahlverhalten sind jedoch gerade diese Preise entscheidend. Nach dem starken Anstieg 2021 haben sich die Energiepreise zwar stabilisiert, die Lebensmittelpreise steigen jedoch weiter. Der Krieg im Iran hat die Energiekosten nun erneut nach oben getrieben: In den USA liegen sie 18 % über dem Niveau vor Trumps Wahl (Nov. 2024), im Euroraum sind es 13 %.

… was den US-Republikanern schaden dürfte

Im November 2026 werden das gesamte Repräsentantenhaus und 35 der 100 Sitze im Senat neu gewählt. In den Prognosemärkten ist eine republikanische Mehrheit im Repräsentantenhaus derzeit nur mit knapp 15 % eingepreist. Für den Senat ist die Wahrscheinlichkeit zuletzt wieder gestiegen und liegt aktuell bei knapp 49 %.

ZINSERWARTUNGEN & FISKALIMPULS

USA: Steigender Realzins

Der Realzins ist die Differenz von Nominalzins und (erwarteter) Inflation. Während man den Nominalzins am Markt ablesen kann, muss man sich für die erwartete Inflation einer Schätzung bedienen. Je nach gewähltem Ansatz liegt der (erwartete) Realzins für die US-Wirtschaft derzeit im positiven Bereich zwischen 0,7 % und 2,3 %. Alternativ kann man die Rendite inflationsindizierter Staatsanleihen (TIPS in den USA) am Markt ablesen. Für eine Laufzeit von zwei Jahren ist der Realzins seit April 2022 positiv und stieg zuletzt auf rund 2,1 %.

Volatile Zinserwartungen

Die Futures-Märkte preisen für die US-Zentralbank Fed bis Januar 2027 Zinserhöhungen von 25 bis 50 Basispunkten ein. Bis Juli 2027 kommen weitere rund 25 Basispunkte hinzu. Damit läge der Leitzins wieder annähernd auf dem Niveau vor den Zinssenkungen des vergangenen Jahres. Nach der jüngsten Zinserhöhung werden für den Euroraum bis Juli 2027 weitere Zinserhöhungen von insgesamt rund 75 Basispunkten eingepreist, davon etwa 25 Basispunkte bereits bis Januar 2027. Das erwartete Zinsniveau liegt in Europa dennoch weiterhin deutlich unter dem der USA.

China: Expansive Geldpolitik

Die chinesische Zentralbank steuert ihre Geldpolitik vor allem über drei Instrumente: den 7-Tage-Reverse-Repo-Satz, die einjährige Loan Prime Rate (LPR) der Geschäftsbanken und den Mindestreservesatz (RRR). In den vergangenen Jahren hat sie alle drei Sätze mehrfach gesenkt, um mehr Liquidität bereitzustellen und damit über Kreditexpansion die Konjunktur zu stützen. Für 2026 signalisiert sie eine weiterhin moderat lockere Geldpolitik.

Moderate Fiskalimpulse für 2026

Die jüngsten Schätzungen des IWF haben insbesondere das Bild für China im Jahr 2026 verändert. Statt eines zuvor erwarteten neutralen Fiskalimpulses wird nun für 2026 ein starker positiver Impuls prognostiziert, getragen von umfangreichen staatlichen Maßnahmen zur Stützung der Inlandsnachfrage. In den USA war der Fiskalimpuls 2024 und 2025 negativ, für 2026 wird jedoch ein leicht positiver Impuls erwartet. In der Eurozone verschiebt sich der positive Fiskalimpuls von 2025 auf 2026, da insbesondere das deutsche Rüstungs- und Infrastrukturprogramm erst mit Verzögerung wirksam wird.

Konjunkturprognose 2026 & 2027

Momentum Fiskalpolitik Finanzierung FvS-RI (2026) Konsens (2026) FvS-RI (2027) Konsens (2027)
USA + + 0 2,0% 2,1% 1,9% 2,1%
China 0 + 0 4,6% 4,6% 4,4% 4,4%
Eurozone + + - 0,6% 0,8% 1,0% 1,0%
Deutschland + + - 0,6% 0,7% 0,8% 1,1%

Unsere Wachstumsprognosen basieren auf einer qualitativen Einschätzung des wirtschaftlichen Momentums, des Wachstumseffekts der Fiskalpolitik sowie der Finanzierungsbedingungen. Orientierungsgrößen, keine Punktvorhersagen. Konsens: Bloomberg.

USA: Stabiler Konsum, eine solide Arbeitsmarktlage sowie weniger stark steigende Löhne begründen das unverändert positive Momentum. Fiskalpolitisch ist keine Haushaltskonsolidierung vorgesehen. Vielmehr bleibt der Kurs expansiv. Geldpolitisch werden Zinserhöhungen von mindestens 25 Basispunkten bis Ende des Jahres erwartet. Der Krieg im Iran erhöht die Unsicherheit und das Rezessionsrisiko.

China: Der weiterhin schwächelnde Immobiliensektor belastet die Inlandsnachfrage. Die Industrie stabilisiert die Konjunktur über Exporte, allerdings insbesondere via Subventionen, was auf Überkapazitäten hinweist und deflationär wirkt. Von der Fiskal- und Geldpolitik sind leicht positive Impulse zu erwarten.

Eurozone / Deutschland: Eine Erholung in Deutschland stützt das Momentum in der Eurozone, während Frankreich weiterhin schwach bleibt. Spanien und Italien tragen zum Wachstum bei, wobei die Industrie in beiden Ländern schwächelt. Schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme insbesondere in Deutschland dürften bis Ende 2026 einen Impuls geben. Ohne Deregulierung dürften deutsche Infrastruktur- und Rüstungsinvestitionen allerdings nur schwach wirken. Steigende Öl- und Gaspreise, ein schwacher Euro sowie restriktivere Finanzierungsbedingungen belasten die Konjunktur zusätzlich. Für Deutschland haben wir unsere Prognose leicht auf 0,6 % angehoben, für die Eurozone bleibt sie bei 0,6 %.

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